Flüssig Brot bricht fasten nicht

Von deutschen Klosterbieren und -brauereien

Matthias Kliemt über Bier
Matthias Kliemt: Dipl.-Ing., Bierbotschafter IHK 3-Sterne-Diplom-Biersommelier Offizieller Bierbotschafter für das Reiseland NRW

Klosterbiere finden sich in vielen Regalen der Getränkemärkte.  Ein wohlbeleibter Mönch mit Bierkrug schaut uns oft lächelnd von den Etiketten und Markenlogos an. Doch wie kamen die Klöster eigentlich zum Bier?

Erfunden haben die Mönche das Bierbrauen nicht, denn schon vor 6000 Jahren haben die Sumerer im Zweistromland Mesopotamien (im späteren Babylonien und heutigen Irak) zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris Bier gebraut.
Sie entwickelten an der Wende vom 4. zum 3. Jahrtausend v. Chr. eine Hochkultur, die auf einer intensiven Landwirtschaft basierte. Heute gehen Forscher davon aus, dass sogar die Erfindung beziehungsweise zufällige Entdeckung des Brauprozesses zur Sesshaftwerdung der Menschen führte.

Christliche Mönche haben das Bier also weder erfunden, noch ist in der Bibel von Bier die Rede. Jesus verwandelte Wasser in Wein, nicht in Bier. Der Kulturraum des beginnenden Christentums war eher vom Wein geprägt. Wein war das Getränk des Mittelmeers. Nördlich der römischen Grenzen war es zu kalt für den Weinanbau. Stattdessen wurde Gerste angebaut, mit der die Germanen schon lange Bier brauten. Und auch die Kelten mochten das Göttergetränk, das
aus Getreide hergestellt wurde. Von Irland zogen die Mönche Columban und Gallus im Jahr 590 los, um die Heiden in Frankreich und Deutschland zu missionieren.

Dabei wurden sie von den Merowingern unterstützt. Die gelehrten Mönche gründeten Klöster mit Schulen, an denen Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen konnten. Sie machten die Wildnis urbar, indem sie Wälder rodeten, Moore trocken legten und die Dreifelderwirtschaft einführten. Als Wirtschaftsbetriebe versuchten sie auch, alles was sie brauchten, selbst herzustellen. Dazu zählte auch die Herstellung von Bier.

Bier galt, im Gegensatz zum oft unreinen Wasser aus Brunnen, Bächen und Flüssen, als sicheres Getränk. Die lange Kochzeit tötete alle Bakterien aus dem Wasser ab. Und so kam es, dass Mönche eine nicht unbeachtliche Tagesration an Bier hatten. Das Bier der Zeit war nahrhaft und enthielt weniger Alkohol als heute, anders sind die großen Mengen des Gerstensaftes, die jedem Mönch täglich zustanden, nicht erklärbar.

Anfangs deckte die Bierproduktion den Eigenbedarf der Ordensbrüder. Später wurde Bier, wie auch andere klösterliche Produkte, an die Bevölkerung der Umgebung und an Pilger verkauft. So wurden in einigen Klöstern auch unterschiedliche Qualitäten von Bier gebraut. Das stärker eingebraute „Konventbier“ blieb im Kloster den Mönchen vorbehalten, während das leichter eingebraute „Pfortenbier“ an die Pilger verkauft wurde.

Im Klosterplan des im Jahr 720 gegründeten Klosters St.Gallen – der Name des Klosters geht auf den Mönch Gallus (s.o.) zurück – finden sich sogar drei Brauereien. Sie stellten mit jeweils unterschiedlichen Rohstoffen drei verschiedene Qualitäten von Bier her.

Die Blütezeit der klösterlichen Brautradition in Deutschland war das 18. Jahrhundert. Überwiegend Mönche, aber auch Nonnen, brauten derzeit in rund 350 Klosterbrauereien Bier. Die meisten davon befanden sich in Bayern. Heute gibt es in Deutschland nur noch rund ein knappes Dutzend Ordensgemeinschaften, die Bier brauen. Bekannt sind die Benediktinerklöster Andechs, Ettal und Scheyern. Bei den Franziskanerinnen in Mallersdorf braut Schwester Doris „a g´scheits Bier“ und ist medial bekannt. Das Benediktiner-Kloster Weltenburg an der Donau kennen Bierbegeisterte als „die älteste Klosterbrauerei der Welt, in der schon anno 1050 der edle Gerstensaft gebraut wurde“, so die Werbeaussage des Klosters.

Andere Klöster brauen in Kooperation mit Brauereien, wie zum Beispiel die Benediktinerabtei Plankstetten mit dem Riedenburger Brauhaus, oder das Kloster St. Marienthal mit der Privatbrauerei Eibau in Sachsen. Mit der Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts gingen viele Klosterbrauereien in Privatbesitz über. Zum Beispiel die Benediktiner-Klosterbrauerei Weißenohe bei Erlangen.

Eine klösterliche Geschichte haben zum Beispiel auch die sich in Privatbesitz befindlichen Brauereien Alpirsbacher Klosterbräu im Hochschwarzwald und Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg. Und die Brauerei in Weihenstephan, früher Teil der Benediktinererabtei, ist heute im Besitz des Landes Bayern und nennt sich heute „Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan“.

So unterschiedlich wie die Geschichten und die Orte der Klosterbrauereien sind, so verschieden sind auch die dort, oder für sie, hergestellten Biere. So ist die Bezeichnung „Klosterbier“ kein eindeutiger Bierstil, sondern nur eine Art Herkunftsnachweis. In Klosterbrauereien finden sich Biere wie Helles, Pilsener, Weizenbier und Bockbier. Hier gilt es, sich einfach durchzuprobieren.

Und warum bricht Flüssiges Fasten nicht?

Wenn in den Klöstern die „Fastenzeit“ oder „Österliche Bußzeit“ begann, durften sich die Ordensleute nur mit flüssiger Nahrung stärken. Die brauenden Mönche wussten, dass Bier auch sättigte, wenn sie es nur stark genug einbrauten. Der Einsatz von viel Getreide führte durch den hohen Zuckergehalt folglich auch zu mehr Alkoholbildung. „Flüssiges Brot“ nannten sie das kräftige Bier, das wir heute als Bockbier oder Starkbier kennen. Bei einer Tagesration von fünf Liter Bier dürfte die Fastenzeit so für manchen Mönch im leichten Rausch wohl erträglicher gewesen sein. So wundert es auch nicht, dass Bier lange als Grundnahrungsmittel galt und auch entsprechend konsumiert wurde. Die Vielfalt der Biere mit all ihren unterschiedlichen sensorischen Eindrücken lässt aber insbesondere auch einen genießerischen Umgang mit diesem edlen und reinen Getränk zu. Dazu rufe ich Sie gerne auf.

Genussvolles Prost,
Ihr Matthias Kliemt

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Bier

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